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Wirtschaftsinformatik berufsbegleitend studieren

Du arbeitest in der IT oder im kaufmännischen Bereich und willst dorthin, wo entschieden wird, was gebaut wird. Wirtschaftsinformatik ist dafür das passende Fach, und wer aus einer einschlägigen Ausbildung kommt, startet selten bei null.

Einordnung

Was Wirtschaftsinformatik ist, und was es nicht ist

Kein halbes Informatikstudium und keine BWL mit IT-Modulen, sondern ein eigenes Fach mit eigener Rolle.

Wirtschaftsinformatik sitzt zwischen Fachbereich und Technik. Die typische Aufgabe lautet: verstehen, was ein Unternehmen fachlich braucht, das in Anforderungen und Prozesse übersetzen, und dann dafür sorgen, dass ein System diese Anforderungen abbildet. Studieninhalte sind Geschäftsprozessmanagement, Datenmodellierung und Datenbanken, betriebliche Anwendungssysteme bis hin zu ERP, Projektmanagement, dazu Programmiergrundlagen und der betriebswirtschaftliche Unterbau.

Die vier häufigsten Verwechslungen, und sie kosten Zeit, wenn sie zu spät auffallen:

  • Informatik ist deutlich technischer: Algorithmen, Softwarearchitektur, Systemnähe. Wer Softwareentwicklung zum Beruf machen will, liegt dort richtiger, siehe Informatik im Fernstudium.
  • BWL ist kaufmännisch und breit: Rechnungswesen, Controlling, Marketing, Personal. IT kommt dort vor, aber als Werkzeug, nicht als Gegenstand, mehr dazu unter BWL im Fernstudium.
  • Data Science und Business Analytics sind auf Auswertung und Modelle fokussiert, mit deutlich mehr Statistik. Wirtschaftsinformatik liefert die Datenbasis und die Prozesse, aus denen solche Auswertungen überhaupt erst entstehen.
  • Wirtschaftsingenieurwesen zielt auf Produktion und Technik im engeren Sinn, nicht auf Informationssysteme.

Wenn dich der Satz „ich erkläre den Entwicklern, was der Fachbereich eigentlich meint" nicht abschreckt, sondern anzieht, bist du im richtigen Fach. Wenn du lieber selbst baust, ist das ebenso wenig falsch, dann aber woanders.

Zugang

Auch ohne Abitur, über die IT-Ausbildung

Die klassischen IT-Berufe sind hier die stärkste Eintrittskarte, kaufmännische Ausbildungen funktionieren ebenso.

Eine abgeschlossene Ausbildung plus einige Jahre Berufserfahrung öffnet den Hochschulzugang für ein fachlich verwandtes Studium, und die Verwandtschaft ist hier meist leicht zu begründen. Die üblichen Zubringerberufe sind Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker aller Fachrichtungen, Kaufleute für Digitalisierungsmanagement, Kaufleute für IT-System-Management sowie Industrie- und Bürokaufleute mit IT-naher Praxis.

Die drei Wege im Detail stehen unter Studieren ohne Abitur. Für dieses Fach gilt in der Praxis:

  • Ausbildung plus Berufsjahre: der Standardweg, meist zwei bis drei Jahre Praxis nach dem Abschluss.
  • Aufstiegsfortbildung: Fachwirt oder eine vergleichbare Qualifikation auf DQR-Niveau 6 bringt in vielen Bundesländern den allgemeinen Hochschulzugang und damit freie Studienwahl.
  • Probestudium: falls die Nachweise knapp sind. Erbrachte Leistungen bleiben erhalten, das Risiko ist also überschaubar.

Ein Detail, das viele übersehen: Zulassungsregeln sind Ländersache und unterscheiden sich innerhalb des DACH-Raums deutlich. Wer in Österreich oder der Schweiz lebt und in Deutschland studieren will, prüft die Regeln beider Seiten, bevor er sich festlegt.

Anrechnung

Was deine IT-Praxis wert ist

Der Hebel, der aus einem langen Studium ein machbares macht.

Eine IT-Ausbildung ist eine formale Qualifikation mit dokumentierten Lernzielen, und genau darauf stützt sich eine Anrechnung. In der Wirtschaftsinformatik trifft das gleich mehrere Module: Programmiergrundlagen, Datenbanken, Netze und Betriebssysteme, häufig auch Projektmanagement. Kaufmännisch Ausgebildete holen ihre Punkte eher im betriebswirtschaftlichen Teil.

Was das bedeutet, zeigt die Rechnung. Ein Bachelor umfasst 180 ECTS. Werden 50 davon angerechnet, bleiben 130. Bei 15 ECTS pro Semester sind das neun Semester statt zwölf, also viereinhalb statt sechs Jahre. Der Alltag bleibt derselbe, die Ziellinie rückt um anderthalb Jahre näher.

Die Reihenfolge entscheidet: erst die Anrechnung klären, dann die Hochschule wählen. Bei identischen Vorleistungen liegen zwischen Anbietern schnell zwei Semester. Wie das Verfahren abläuft und worin sich pauschale und individuelle Anrechnung unterscheiden, steht unter ECTS anrechnen und Anrechnung von Berufserfahrung.

Aufwand

Zeit und Kosten realistisch

Die Semesterlast entscheidet, nicht der gute Vorsatz im ersten Monat.

ECTS pro SemesterStunden pro WocheIm AlltagBachelor dauert
5rund 7 bis 8ein Abend plus ein halber Samstag18 Jahre, nur für einzelne Module sinnvoll
10rund 15zwei Abende plus ein Wochenendtag9 Jahre, mit Anrechnung rund 6,5
15rund 22eng, sobald Projektspitzen oder Rufbereitschaft dazukommen6 Jahre, mit Anrechnung 4,5
20rund 30faktisch ein zweiter Halbtagsjob4,5 Jahre

Gerechnet mit 30 Stunden je ECTS und rund 20 aktiven Wochen pro Semester. Wie du deine eigene Zahl bestimmst, steht unter ECTS pro Semester.

Bei den Kosten liegen berufsbegleitende Bachelorprogramme üblicherweise im Bereich von einigen hundert Euro pro Monat. Entscheidend ist nicht die Monatsrate, sondern die Gesamtsumme bei realistischem Tempo, und die sinkt vor allem über die Anrechnung. Die Details stehen unter Was kostet ein Fernstudium.

In der IT beteiligen sich Arbeitgeber überdurchschnittlich oft an den Gebühren, weil Personal knapp ist. Achte dabei auf Rückzahlungsklauseln, sie binden meist mehrere Jahre. Wie du das Gespräch vorbereitest, steht unter Studium vom Arbeitgeber bezahlen lassen. Zahlst du selbst, ist der Weg über die Steuer oft der zweitbeste Hebel, siehe Fernstudium steuerlich absetzen. Welche Anbieter es überhaupt gibt, zeigt quellenbelegt Hochschulnavigator.

Danach

Wohin der Abschluss führt

Drei Richtungen, die sich in Alltag und Anforderungen deutlich unterscheiden.

Anforderungen und Analyse

Fachbereiche befragen, Anforderungen schreiben, Prozesse modellieren, Lösungen abnehmen. Viel Kommunikation, wenig Code. Der häufigste Einstieg direkt nach dem Bachelor.

ERP und Anwendungssysteme

Einführung, Betreuung und Weiterentwicklung betrieblicher Systeme, oft im Inhouse-Consulting oder beim Systemhaus. Tiefe in einem Modul zählt hier mehr als Breite.

IT-Projekte und Steuerung

Projekt- und Teilprojektleitung, Budget, Termine, Lieferanten. Planbarer Kalender, dafür Verantwortung für Ergebnisse, die andere liefern.

Zum Gehalt eine ehrliche Einordnung: Der Abschluss allein verändert es selten, die veränderte Rolle tut es. Wer nach dem Studium dieselbe Tätigkeit ausübt, verdient in der Regel dasselbe. Der Sprung entsteht mit dem Wechsel in Steuerung, Beratung oder Führung, und dafür ist der Abschluss in vielen Unternehmen die formale Eintrittskarte. Mehr dazu unter Gehalt nach dem Studium.

Und die ehrliche Grenze: Ein Bachelor öffnet keine Tür automatisch. In Bereichen, die stark über Referenzen laufen, zählt gezeigte Praxis mindestens ebenso viel wie das Zeugnis. Wer die Prozessseite eines anderen Fachs sucht, findet sie oft direkter, etwa in Logistik oder Personalmanagement.

Häufige Fragen

Wirtschaftsinformatik im Fernstudium

Die Fragen, die im Erstgespräch fast immer kommen.

Ist Wirtschaftsinformatik nun Informatik oder BWL?

Beides, und genau darin liegt der Zweck. Wirtschaftsinformatik verbindet Prozess- und Datenverständnis mit betriebswirtschaftlicher Steuerung. Du programmierst weniger als in der Informatik und rechnest weniger als in der BWL, dafür übersetzt du zwischen beiden Seiten. Wer nur eine der beiden Welten will, ist im jeweiligen Fach besser aufgehoben.

Kann ich Wirtschaftsinformatik ohne Abitur studieren?

In der Regel ja. Eine abgeschlossene IT-Ausbildung oder ein kaufmännischer Abschluss plus mehrere Jahre Berufserfahrung öffnet den Zugang zu einem fachlich passenden Studium. Mit einer Aufstiegsfortbildung auf DQR-Niveau 6, etwa einem Fachwirt, kommt in vielen Bundesländern der allgemeine Hochschulzugang dazu.

Muss ich für das Studium programmieren können?

Für den Einstieg nicht. Programmieren gehört dazu, aber auf Grundlagenniveau, und viele Programme beginnen bei null. Wichtiger ist strukturiertes Denken in Datenmodellen, Prozessen und Schnittstellen. Wer Softwareentwicklung als Beruf anstrebt, fährt mit einem Informatikstudium besser.

Wie viel meiner IT-Ausbildung wird angerechnet?

Das hängt von der Hochschule ab und schwankt erheblich. Für eine einschlägige IT-Ausbildung rechnen viele Hochschulen einen Block in den Grundlagenmodulen an, Zertifikate und Berufsjahre können dazukommen. Für ausserhochschulisch erworbene Leistungen gilt üblicherweise eine Obergrenze von 50 Prozent der ECTS eines Studiengangs.

Brauche ich das Studium, wenn ich schon in der IT arbeite?

Für die fachliche Arbeit oft nicht, für den Wechsel in Steuerung und Führung häufig schon. Viele Unternehmen setzen bei Projektleitung, Anforderungsmanagement und Personalverantwortung einen Abschluss voraus, auch wenn du die Aufgaben längst machst. Ein Blick in die Stellenausschreibungen deines Zielbereichs beantwortet die Frage meist zuverlässig.

Nächster Schritt

Was in deinem Fall wirklich geht

Zulassung, Anrechnung und passendes Programm in einem Gespräch geklärt.

Stufen im Fach

Welche Stufe passt zu deinem Ziel?

Dasselbe Fach, drei verschiedene Antworten. Jede Stufe hat eigene Zugangswege und führt woanders hin.

Hinweis zur Information

Die Aussagen auf dieser Seite sind allgemein gehalten und basieren auf meiner Beratungspraxis (Stand 31.07.2026). Sie ersetzen keine offizielle Anrechnungs- oder Anerkennungs-Entscheidung der jeweiligen Hochschule und sind kein Rechtsrat. Konkrete Entscheidungen treffen die Hochschulen, die ZAB (DE), das BMBWF (AT) oder das SBFI (CH) individuell. Vor verbindlichen Schritten kläre ich das mit dir im Erstgespräch.

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