Ein Fernstudium in der Schweiz ist möglich, aber der Markt sieht anders aus als in Deutschland oder Österreich. Die Schweiz hat weniger spezialisierte Fernanbieter, dafür hohe Qualitätsstandards und höhere Kosten. Wer berufsbegleitend studieren will, sollte die Schweizer Optionen kennen, aber auch über die Landesgrenze schauen. Hier bekommst du den Überblick 2026: Anbieter, Kosten in CHF, Anerkennung und die Wege ohne Matura.
Schweizer Anbieter für ein Fernstudium in der Schweiz
Drei Anbieter sind für berufsbegleitendes Studieren in der Schweiz etabliert, und sie bedienen unterschiedliche Profile:
FFHS (Fernfachhochschule Schweiz) ist die bekannteste Fernhochschule des Landes. Sie bietet Bachelor- und Masterstudiengänge in Wirtschaft, Informatik, Gesundheit und Recht an. Das Studienmodell kombiniert Online-Lernen mit regelmässigen Präsenztagen, typischerweise alle zwei Wochen am Samstag. Die FFHS ist eine anerkannte Fachhochschule im Schweizer System.
FernUni Schweiz bietet universitäre Fernstudiengänge an, vor allem in Psychologie, Recht, Wirtschaft und Mathematik. Sie ist die einzige anerkannte Fernuniversität der Schweiz und vergibt vollwertige universitäre Abschlüsse. Die Unterrichtssprachen sind Deutsch und Französisch, je nach Studiengang.
Kalaidos Fachhochschule ist die dritte relevante Adresse: eine eidgenössisch akkreditierte Fachhochschule mit stark berufsbegleitendem Modell und hohem Fern- und Selbststudienanteil, vor allem in Wirtschaft, Gesundheit und Recht. Sie richtet sich gezielt an Berufstätige, die neben einem vollen Pensum studieren.
Daneben bieten einige Schweizer Fachhochschulen einzelne berufsbegleitende Programme an, etwa die ZHAW, die FHNW oder die HSG im Weiterbildungsbereich. Diese sind jedoch selten reine Fernstudiengänge, sondern eher Blended-Learning-Formate mit Präsenzanteilen. Einen Überblick über das ganze System, von der Uni bis zur höheren Berufsbildung, findest du auf meiner Seite Studieren in der Schweiz.
Anbieter im Vergleich: Kosten in CHF
| Anbieter | Typ | Schwerpunkte | Kosten pro Semester | Format |
|---|---|---|---|---|
| FernUni Schweiz | Universitäres Institut | Psychologie, Recht, Wirtschaft, Mathematik | ab rund 1'300 CHF | Online mit fixen Strukturen |
| FFHS | Fachhochschule | Wirtschaft, Informatik, Gesundheit, Recht | rund 1'500 bis 2'000 CHF | Blended, Präsenz ca. alle 2 Wochen |
| Kalaidos FH | Fachhochschule | Wirtschaft, Gesundheit, Recht | je nach Programm, eher darüber | Berufsbegleitend, hoher Fernanteil |
| Deutsche Fernhochschulen (z. B. IU, Euro-FH) | Private FH (DE) | Sehr breites Fachangebot | umgerechnet oft günstiger, Zahlung in Euro | 100 % online |
Die Zahlen sind Richtwerte der Anbieter, massgeblich ist immer das aktuelle Gebührenreglement des jeweiligen Studiengangs. Private Weiterbildungsprogramme und MBAs liegen deutlich darüber, oft bei 20'000 bis 50'000 CHF für das gesamte Programm.
Deutsche und österreichische Anbieter aus der Schweiz heraus nutzen
Viele Schweizer Studierende entscheiden sich für ein Fernstudium bei deutschen oder österreichischen Hochschulen. Das hat mehrere Gründe: grössere Auswahl, oft flexiblere Studienmodelle und in einigen Fällen niedrigere Kosten trotz Wechselkurs.
Beliebte Anbieter sind die IU Internationale Hochschule, WINGS (FH Wismar), die SRH Fernhochschule oder die FernFH aus Österreich. Die Abschlüsse dieser Hochschulen sind in der Schweiz anerkannt, da alle am Bologna-System teilnehmen. Ein Bachelor oder Master aus Deutschland hat in der Schweiz denselben akademischen Wert. Welche deutschen Anbieter sich wie unterscheiden, habe ich im Beitrag zum Fernstudium in Deutschland aufgeschlüsselt.
Allerdings gibt es Einschränkungen bei reglementierten Berufen. Wer in der Schweiz als Psychologe, Lehrerin oder in einem Gesundheitsberuf arbeiten will, braucht unter Umständen eine zusätzliche Anerkennung durch das SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation). Bei nicht-reglementierten Berufen, also den meisten Jobs in Wirtschaft, IT und Management, ist die Anerkennung in der Regel kein Problem. Geht es um einen deutschen Master und dessen Wert auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, findest du die Details auf meiner Seite zur Anerkennung deutscher Master in der Schweiz.
Gut zu wissen
Die Schweiz erkennt Bologna-Abschlüsse aus dem EU-Raum an. Bei reglementierten Berufen prüft das SBFI die Gleichwertigkeit. Für die meisten Wirtschafts-, Informatik- und Management-Studiengänge brauchst du keine gesonderte Anerkennung. Swissuniversities führt eine Liste anerkannter Schweizer Hochschulen.
Fernstudium in der Schweiz ohne Matura
Auch ohne Matura führen Wege ins Studium, und gerade für Berufstätige sind sie relevanter, als viele denken:
- Fachhochschulen: Mit eidgenössischem Berufsabschluss, Berufsmaturität oder ausreichend Berufserfahrung ist die Zulassung je nach Studiengang möglich, teils über ein Aufnahmeverfahren oder eine Aufnahmeprüfung („sur dossier").
- Höhere Berufsbildung als Alternative: Die eidgenössische Berufsprüfung und die höhere Fachprüfung sind praxisnahe Abschlüsse auf Tertiärstufe, ganz ohne Matura. Was sie leisten, erkläre ich auf der Seite zur eidgenössischen Berufsprüfung.
- Deutsche Fernhochschulen: Viele deutsche Anbieter kennen eigene Zulassungswege über Berufsausbildung plus Berufserfahrung oder Aufstiegsfortbildungen. Für Schweizer Interessierte ist das oft der schnellste Einstieg ins Bachelor-Studium.
Welcher Weg für dich offen ist, hängt von deinem Berufsabschluss, deiner Erfahrung und dem Zielstudiengang ab. Genau diese Zulassungsfrage kläre ich im Erstgespräch am häufigsten.
Kosten und Finanzierung beim Fernstudium in der Schweiz
Die Kosten sind der grösste Unterschied zum Fernstudium in Deutschland oder Österreich. Schweizer Hochschulen verlangen Semestergebühren zwischen 1'300 und 2'000 CHF, spezialisierte Programme mehr. Auch bei deutschen Anbietern zahlst du die regulären Gebühren in Euro. Das kann je nach Wechselkurs ein Vorteil sein: ein deutscher Studiengang für rund 300 Euro monatlich ist in Schweizer Franken oft günstiger als ein vergleichbares Schweizer Programm.
Die Finanzierung in der Schweiz funktioniert anders als in Deutschland oder Österreich:
- Steuerliche Absetzbarkeit: Weiterbildungskosten sind in der Schweiz steuerlich absetzbar. Die Abzugsfähigkeit ist kantonal geregelt und kann bis zu 12'000 CHF pro Jahr betragen. Berufsbegleitende Studiengänge fallen in der Regel darunter.
- Stipendien: Kantonale Stipendienstellen vergeben Ausbildungsbeiträge, auch für Berufstätige. Die Voraussetzungen variieren je nach Kanton stark.
- Arbeitgeberbeteiligung: In der Schweiz beteiligen sich Arbeitgeber häufiger an Weiterbildungskosten als in anderen Ländern. Ein Gespräch mit dem Vorgesetzten lohnt sich.
Eine Bildungskarenz wie in Österreich gibt es in der Schweiz nicht. Wer sein Arbeitspensum reduzieren will, muss das individuell mit dem Arbeitgeber verhandeln.
Welches Fernstudium passt zu dir in der Schweiz?
Wenn du einen Schweizer Abschluss bevorzugst und Präsenztage kein Problem sind, sind die FFHS, die Kalaidos FH oder die FernUni Schweiz eine solide Wahl. Wenn du maximale Flexibilität brauchst, mehr Fachrichtungen zur Auswahl haben willst oder Kosten sparen möchtest, lohnt sich der Blick auf deutsche Anbieter.
Die entscheidende Frage ist nicht nur, wo du studierst, sondern was du danach damit machen willst. Bei reglementierten Berufen in der Schweiz kann die Herkunft des Abschlusses eine Rolle spielen. Bei den meisten Berufsfeldern zählt dagegen nur die Akkreditierung und die Qualität des Programms.
Im Beratungsgespräch kläre ich genau das: Welche Programme kommen für dich infrage, welche Abschlüsse sind für dein Ziel relevant und wo bekommst du das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Als Berater mit Sitz in der Ostschweiz kenne ich beide Seiten, das Schweizer System und den deutschen Markt, aus der täglichen Studienberatung in der Schweiz.
Fazit
Ein Fernstudium in der Schweiz bietet solide Optionen mit der FFHS, der FernUni Schweiz und der Kalaidos FH. Gleichzeitig stehen dir durch das Bologna-System dutzende Programme aus Deutschland und Österreich offen, oft günstiger und flexibler. Kosten, Zulassung und Anerkennungsfragen bestimmen, welcher Weg der richtige ist. Wenn du eine klare Empfehlung für deine Situation willst, vereinbare ein kostenloses Erstgespräch. Ich finde das Programm, das zu deinem Beruf, deinem Budget und deinem Ziel passt.
Mehr dazu: Bachelor berufsbegleitend und Master berufsbegleitend.
Häufige Fragen
Welche Fernhochschulen gibt es in der Schweiz?
Drei Anbieter sind etabliert: Die FFHS (Fernfachhochschule Schweiz) bietet Bachelor und Master in Wirtschaft, Informatik, Gesundheit und Recht. Die FernUni Schweiz vergibt universitäre Abschlüsse, vor allem in Psychologie, Recht, Wirtschaft und Mathematik. Die Kalaidos Fachhochschule bietet flexible berufsbegleitende Studiengänge mit hohem Fernanteil.
Ist die FernUni Schweiz anerkannt?
Ja. Die FernUni Schweiz ist ein akkreditiertes universitäres Institut nach HFKG und vergibt vollwertige universitäre Bachelor- und Masterabschlüsse. Sie ist die einzige anerkannte Fernuniversität der Schweiz.
Wird ein deutsches Fernstudium in der Schweiz anerkannt?
In der Regel ja. Deutsche und österreichische Abschlüsse sind über das Bologna-System in der Schweiz anerkannt. Bei reglementierten Berufen wie Psychologe oder Lehrerin kann eine zusätzliche Anerkennung durch das SBFI nötig sein. Für die meisten Wirtschafts- und IT-Berufe braucht es keine gesonderte Anerkennung.
Ist ein IU-Fernstudium in der Schweiz anerkannt?
Die IU ist eine staatlich anerkannte deutsche Hochschule mit akkreditierten Programmen, ihre Abschlüsse sind Bologna-konform. Für nicht-reglementierte Berufe ist das in der Schweiz in der Regel kein Problem. Bei reglementierten Berufen entscheidet die zuständige Stelle im Einzelfall, meist über das SBFI.
Was kostet ein Fernstudium in der Schweiz?
Schweizer Hochschulen verlangen meist zwischen 1'300 und 2'000 CHF pro Semester, die Kalaidos FH je nach Programm mehr. Private Weiterbildungsprogramme und MBAs kosten deutlich mehr. Deutsche Anbieter sind in Franken gerechnet oft günstiger.
Kann ich in der Schweiz ohne Matura studieren?
Ja, es gibt mehrere Wege: Aufnahmeverfahren einzelner Hochschulen, das Studium über Berufsabschluss plus Berufserfahrung an Fachhochschulen oder deutsche Fernhochschulen, die eigene Zulassungswege für Berufstätige kennen. Die Details unterscheiden sich stark je nach Hochschule.
Kann ich Weiterbildungskosten in der Schweiz steuerlich absetzen?
Ja, Weiterbildungskosten sind in der Schweiz steuerlich absetzbar. Die Abzugsfähigkeit ist kantonal geregelt und kann bis zu 12'000 CHF pro Jahr betragen. Berufsbegleitende Studiengänge fallen in der Regel darunter.
