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Bewerbung fürs Fernstudium: Unterlagen, Fristen und warum du fast nie zu spät bist

Für ein Fernstudium bewirbst du dich nicht über ein zentrales Portal, sondern direkt bei der Hochschule. Das macht vieles einfacher, aber es gibt zwei Stellen, an denen es trotzdem teuer wird.

6 Min. Lesezeit

Die Bewerbung fürs Fernstudium klingt nach Formularen, Fristen und Warteschleifen. Tatsächlich ist sie einfacher, als die meisten denken. Es gibt kein zentrales Portal, keinen Numerus Clausus, keinen Losverfahren-Nervenkitzel. Bei den meisten Fernhochschulen bewirbst du dich direkt, und du kannst fast jederzeit starten. Genau diese Lockerheit ist aber auch die Falle: Weil die Hürde so niedrig ist, überspringen viele den einen Schritt, der später über Semester und Tausende Euro entscheidet. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie die Bewerbung für ein Fernstudium wirklich abläuft, welche Unterlagen du brauchst und an welchen zwei Stellen es trotzdem teuer wird.

Die Bewerbung fürs Fernstudium läuft anders als beim Präsenzstudium

Wer schon einmal einen Präsenzstudienplatz gesucht hat, kennt das Ritual: hochschulstart.de, Bewerbungsfristen im Kalender, NC-Tabellen studieren, Nachrückverfahren abwarten.

Beim Fernstudium fällt das alles weg.

Du bewirbst dich direkt bei der Hochschule, meist über ein Onlineformular. Es gibt keine zentrale Vergabestelle, die Plätze zuteilt. Die Hochschule prüft, ob du die Voraussetzungen erfüllst, und wenn ja, bekommst du einen Platz. Ein Wettbewerb um knappe Plätze findet in aller Regel nicht statt, weil Fernstudiengänge nicht an Hörsaalgrössen gebunden sind.

Das erklärt auch, warum die allermeisten privaten Fernhochschulen keinen NC haben. Deine Abiturnote spielt für die Zulassung fast nie eine Rolle. Was zählt, ist, ob du die formale Hochschulzugangsberechtigung mitbringst.

So bewirbst du dich für ein Fernstudium: der Ablauf in fünf Schritten

So sieht der Weg in der Praxis aus, egal ob du dich für einen berufsbegleitenden Bachelor oder einen Master entscheidest:

  1. Studiengang und Hochschule auswählen. Das ist der Schritt, der die meiste Zeit kosten sollte, und der in der Praxis am schnellsten abgehakt wird.
  2. Voraussetzungen prüfen. Reicht deine Hochschulzugangsberechtigung? Brauchst du Berufserfahrung? Gibt es eine Zugangsprüfung?
  3. Anrechnung klären. Was bringst du schon mit, und was davon erkennt diese konkrete Hochschule an? Dazu unten mehr, denn hier liegt der eigentliche Hebel.
  4. Onlinebewerbung ausfüllen und Unterlagen hochladen. Bei privaten Anbietern oft eine Sache von zwanzig Minuten.
  5. Studienvertrag unterschreiben und einschreiben. Danach bekommst du deine Zugangsdaten zum Online-Campus und kannst loslegen.

Zwischen Schritt vier und dem ersten Modul liegen bei privaten Fernhochschulen häufig nur wenige Tage.

Diese Unterlagen brauchst du für die Bewerbung

Die Liste ist kürzer, als viele erwarten:

  • Hochschulzugangsberechtigung: Abitur, Fachabitur, Matura oder ein gleichwertiger Nachweis. Ohne Abitur gelten eigene Regeln, siehe unten.
  • Lebenslauf: tabellarisch, aktuell.
  • Ausweisdokument: Personalausweis oder Reisepass.
  • Bei einem Master: das Bachelorzeugnis, oft mit Notenspiegel und manchmal mit Nachweis über die erreichten ECTS.

Und dann kommt der Teil, den fast alle unterschätzen:

  • Für die Anrechnung: Zeugnisse früherer Studien, Modulbeschreibungen, Arbeitszeugnisse, Zertifikate von Weiterbildungen, Nachweise über Berufserfahrung.

Diese Unterlagen brauchst du nicht für die Zulassung. Du brauchst sie dafür, dass dir dein bisheriges Leben angerechnet wird. Das ist ein Unterschied, und es ist der teuerste Unterschied im ganzen Prozess.

Bewerbungsfrist fürs Fernstudium: Wann du wirklich zu spät bist

Hier gibt es zwei Welten, und wer sie verwechselt, verliert ein halbes Jahr.

Private Fernhochschulen lassen dich in der Regel monatlich starten, manche sogar taggenau. Eine Bewerbungsfrist im klassischen Sinn existiert dort nicht. Wenn du im Juli merkst, dass du studieren willst, kannst du oft im August anfangen. Genau deshalb sage ich vielen Klientinnen und Klienten: Der Satz „Dafür ist es jetzt zu spät" stimmt beim Fernstudium fast nie.

Staatliche Fernhochschulen ticken anders. Dort gelten feste Fristen zum Semesterbeginn, meist zum Winter- und zum Sommersemester. Wer die Frist verpasst, wartet. Und zwar nicht zwei Wochen, sondern bis zum nächsten Semester.

Gut zu wissen: Prüfe die Frist immer auf der Seite der konkreten Hochschule, nie pauschal in einem Vergleichsportal. Fristen ändern sich, und manche Hochschulen verlängern still, wenn Plätze frei sind. Ein Anruf in der Studienberatung der Hochschule klärt in fünf Minuten, was dir zehn Browsertabs nicht beantworten.

Bewerbung ohne Abitur: Was zusätzlich verlangt wird

Kein Abitur zu haben ist kein Ausschlusskriterium. Es ist ein anderer Weg, und er verlangt andere Nachweise, nicht bessere Noten.

  • Meister, Techniker oder Fachwirt: In Deutschland öffnet das in der Regel den allgemeinen Hochschulzugang. Du bewirbst dich damit wie jemand mit Abitur.
  • Berufsausbildung plus Berufserfahrung: Meist mehrjährig und fachlich passend. Das führt oft zu einem fachgebunden Zugang, teils über eine Zugangsprüfung, teils über ein Probestudium.
  • Ausland: Wer seinen Abschluss nicht in Deutschland gemacht hat, braucht in der Regel eine Bewertung der Zeugnisanerkennungsstelle.

Wichtig: Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland und Hochschule. Was in Bayern gilt, gilt in Nordrhein-Westfalen nicht automatisch. Pauschale Aussagen im Netz sind hier oft schlicht falsch. Wenn dich der Weg ohne Abitur betrifft, lohnt sich der Blick in meinen Beitrag Studieren ohne Abitur.

Der Schritt, den fast alle zu spät gehen: die Anrechnung

Jetzt zum Kern.

Die meisten Menschen bewerben sich zuerst und fragen danach, ob ihnen etwas angerechnet wird. Das ist die falsche Reihenfolge, und sie kostet Geld.

Denn die Anrechnungspraxis unterscheidet sich zwischen Hochschulen erheblich. Dieselbe Ausbildung, dieselben Weiterbildungen, dieselbe Berufserfahrung: Die eine Hochschule rechnet dir dafür ein ganzes Semester an, die andere nichts. Wenn du dich bereits eingeschrieben hast, ist diese Entscheidung gefallen. Du kannst dann nur noch hoffen.

Wer die Anrechnung vor der Bewerbung klärt, dreht das um. Die Frage lautet dann nicht mehr „Was rechnet mir diese Hochschule an?", sondern „Welche Hochschule rechnet mir am meisten an?". Das ist derselbe Aufwand, aber ein völlig anderes Ergebnis.

Zwei bis drei angerechnete Module bedeuten je nach Anbieter ein gespartes Semester. Ein gespartes Semester bedeutet ein halbes Jahr weniger Studiengebühren und ein halbes Jahr früher fertig.

Wenn du wissen willst, was bei dir realistisch drin ist, mach den Anrechnungscheck. Der kostet dich ein paar Minuten und sagt dir, ob sich das Thema für dich überhaupt lohnt.

Vier Fehler, die ich in Beratungen am häufigsten sehe

  1. Zuerst bewerben, dann nachdenken. Die Einschreibung ist der schnellste Teil des Prozesses. Sie sollte trotzdem der letzte sein.
  2. Die Anrechnung als Formalie behandeln. Sie ist keine Formalie. Sie ist der grösste Hebel auf Zeit und Kosten, den du in diesem Prozess hast.
  3. Auf Vergleichsportale statt auf die Hochschule vertrauen. Fristen, Zugangswege und Anrechnungsregeln ändern sich. Die Hochschule weiss es, das Portal weiss es vielleicht.
  4. Die Studiengebühr als einzige Zahl sehen. Prüfungsgebühren, Verlängerungssemester und Gebühren für Wiederholungen tauchen im Werbeprospekt selten auf, in der Endabrechnung dafür umso deutlicher.

Fazit

Sich für ein Fernstudium zu bewerben ist administrativ die leichteste Übung im ganzen Studium. Kein zentrales Portal, meist kein NC, oft ein Start innerhalb weniger Wochen. Genau deshalb ist die Bewerbung der falsche Ort, um Zeit zu investieren.

Die Zeit gehört an zwei andere Stellen: in die Wahl der Hochschule und in die Anrechnung deiner Vorleistungen. Wer diese beiden Punkte vor der Einschreibung klärt, spart im besten Fall ein ganzes Semester. Wer sie danach klärt, hat die Entscheidung bereits getroffen, ohne es zu merken.

Wenn du gerade an diesem Punkt stehst und wissen willst, welche Hochschule bei deinem Profil am meisten anrechnet: Buch dir ein kostenloses Erstgespräch. Wir klären in 30 Minuten, was bei dir geht und was nicht. Unverbindlich, und ehrlich auch dann, wenn die Antwort „lass es" lautet.

Häufige Fragen

Wie bewerbe ich mich für ein Fernstudium?

Du bewirbst dich direkt bei der Hochschule, meist über ein Onlineformular auf deren Website. Ein zentrales Portal wie hochschulstart.de gibt es für Fernstudiengänge nicht. Du lädst deine Hochschulzugangsberechtigung und deinen Lebenslauf hoch, unterschreibst den Studienvertrag und bekommst deine Zugangsdaten zum Campus. Bei privaten Fernhochschulen dauert das oft nur wenige Tage.

Gibt es beim Fernstudium eine Bewerbungsfrist?

Das hängt vom Hochschultyp ab. Private Fernhochschulen lassen dich in der Regel monatlich oder sogar jederzeit starten, dort gibt es faktisch keine Frist. Staatliche Fernhochschulen arbeiten dagegen mit festen Fristen zum Semesterbeginn. Wer die verpasst, wartet ein halbes Jahr. Prüfe das immer auf der Seite der konkreten Hochschule, nicht pauschal.

Welche Unterlagen brauche ich für die Bewerbung?

In der Regel deine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur, Fachabitur, Matura oder ein gleichwertiger Nachweis), einen Lebenslauf und einen Ausweis. Wer sich Vorleistungen anrechnen lassen will, braucht zusätzlich Zeugnisse, Modulbeschreibungen und bei Berufserfahrung Arbeitszeugnisse. Für ein Masterstudium kommt das Bachelorzeugnis dazu, teilweise mit Notenspiegel.

Kann ich mich ohne Abitur für ein Fernstudium bewerben?

Ja, in vielen Fällen. Über einen Meister, Techniker oder Fachwirt bekommst du in Deutschland meist einen allgemeinen Hochschulzugang. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung plus mehrjähriger Berufserfahrung ist ein fachgebundener Zugang möglich, oft über eine Zugangsprüfung oder ein Probestudium. Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland und Hochschule.

Wann sollte ich die Anrechnung meiner Vorleistungen klären?

Vor der Einschreibung, nicht danach. Die Anrechnung entscheidet mit, welche Hochschule für dich überhaupt die richtige ist, denn die Anrechnungspraxis unterscheidet sich stark. Wer erst nach der Immatrikulation fragt, hat sich die Wahl bereits verbaut und zahlt im Zweifel Semester, die er sich hätte sparen können.

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Hinweis zur Information

Die Aussagen auf dieser Seite sind allgemein gehalten und basieren auf meiner Beratungspraxis (Stand 13.07.2026). Sie ersetzen keine offizielle Anrechnungs- oder Anerkennungs-Entscheidung der jeweiligen Hochschule und sind kein Rechtsrat. Konkrete Entscheidungen treffen die Hochschulen, die ZAB (DE), das BMBWF (AT) oder das SBFI (CH) individuell. Vor verbindlichen Schritten kläre ich das mit dir im Erstgespräch.

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